Alljährlich im Advent überfällt den gemeinen Abendländer – gleich wo er sich befindet – der ungehemmte Drang nach Besinnlichkeit und werthaltigen Gedanken.

Davon bin ich natürlich auch nicht frei. In diesem Jahr überkommt mich dieser Trieb in meinem idyllischen, teilautonomen MillValley Tal in Cape Breton, NS, Canada.

Zunächst möchte ich an die alte Schulweisheit erinnere, dass Geld nicht wegkommt! – Es hat nur jemand anderes!              Und dies war und ist nicht nur für das jugendliche Taschengeld wahr sondern auch für die Milliarden und Billionen die, Presseberichten zu folge, international tätigen Banken und vielen Ländern fehlen. Dieses viele Geld hat jemand anderes!
Stellen Sie sich das mal so richtig vor: Einige Europäische Nationen sind hoch verschuldet und stehen vor dem Bankrott. Die USA – noch immer die größte Wirtschaftsmacht – steht vor dem Kollaps der finanziellen Hilflosigkeit. Und das ganze fehlende Geld ist auf einigen anderen Konten.

Und dabei reden die Medien und Politiker noch über Banken-, Wirtschafts-, Finanz- oder Währungskrisen. Für mich ist es eine vitale Kulturkrise der ´westlichen Welt´.
Die Schere zwischen einer kontinuierlich wachsenden verarmenden Mehrheit und einigen, ganz wenigen globalen Superreichen geht immer weiter auf. Und der sogenannte Mittelstand schrumpft zur Bedeutungslosigkeit.
Und diese Verschiebung geht immer weiter. Da gibt es offensichtlich kein ´Genug ist genug´. Auf Kölsch würde man diese hemmungslose Gier bildhaft beschreiben mit: „ Dä hat kinne Zapp im Hals.“ (Diese Person hat kein Zäpfchen im Hals, das sie beim Schlingen behindern könnte.)
Selbst Politiker wie Frau Merkel haben Banken und Finanzinstitutionen in den letzten als ´systemisch´ bezeichnet. Wann verstehen diese Volksvertreter, dass die globalen Finanzmogule und Institutionen Das SYSTEM sind?! Wann realisieren sie, dass die Politik ihr Primat schon lange an die Finanzjongleure verloren hat?
Wenn heutzutage ein ´Bewertungsbüro´ (neudeutsch: rating agentur) darüber auch nur nachdenkt, ein Land herabzustufen, dann wackelt es gewaltig im Gebälk von Staaten wie Griechenland, Italien, Spanien, Frankreich und USA. Dann droht dieser Nation weiteres, ja manchmal existenzbedrohendes Ungemach. Auch wenn es sich dabei zuweilen nur um einen Computerfehler handelt.
Wer und welches System bestimmt und dominiert also die heutige Welt? Politik oder Finanzmacht?
Für mich ist es offensichtlich, dass Politik und Behörden den großen globalen Finanzmagnaten und ihren Methoden nicht mehr gewachsen sind. Und in sehr kleinem Rahmen habe ich da meine Erfahrungen.
Einen sehr großen und vielschichtigen Einfluss bei diesem Wettlauf spielte die Globalisierung.

   Die Globalisierung hat einen wesentlichen Einfluss auf die Situation und die ökonomischen Probleme der westlichen Welt. 

Globalisierung bedeutet zunächst einmal die Vergrößerung der Spielwiese - oder des Sandkastens - für die Produzenten und Dienstleister. Dabei haben natürlich diejenigen Unternehmen den größten Profit, die schon immer ´international aufgestellt´ waren. Aber auch etliche mittelständische Spezialisten haben den Sprung in die globale Welt geschaftt. Trotz der erheblichen Markteintrittskosten, die firmenintern aber natürlich primär in dem neuen Vertriebsmärkten angefallen sind.

Einige Firmen haben es geschafft. Aber was ist mit den Mitarbeitern und Lieferanten? Mit der Internationalisierung des Vertriebs kam die Globalisierung der Beschaffungsmärkte. Zunächst wurden die Teilefertigung und die Montage nach Fernost verlagert. Heute bezieht man Fertigprodukte von dort. Meines Wissens kommt kein Paar Serienjeans mehr aus den USA und die kultigen Äppels werden alle in China gebaut.

Apropos China. Seit 2009 ist Deutschland nicht mehr Exportweltmeister. Haben Sie die alljährliche beruhigende ´Frohe Botschaft´ nicht auch vermisst? Aber ich war damals schon skeptisch. Denn die Kennzahl für den Export ist der ´Gesamtwert der exportierten Fertigprodukte´. Aber wieviel Porsche, Mercedes, BMW, VW und Audi ist tatsächlich drin in den Karosserien? Woher kommen die Einzelteile und Baugruppen oder die kompletten Fahrzeuge? Und woher kommen heute die Einzelteile und Komponenten für Maschinen und Anlagen?

Aber die wesentlichen Aspekte der Globalisierung sind sozio-kultureller Natur. Es sind die Anonymisierung und die außerordentliche Machtkonzentration.

Die Mitarbeiter in globalen Unternehmen kennen ihre Chefs nicht mehr, - und umgekehrt! Diese Anonymisierung führt zu einer Verrohung/Enthemmung im Geschäftsgebahren mit der ausschließlichen Fokussierung auf den finanziellen Vorteil. Auch bei geringem, unsicheren oder kurzfristigen Nutzen werden leistungsfähige, gewachsene Strukturen geopfert und zerstört. Der typische ortsansässige Unternehmer der Vergangenheit hat bei seinen Entscheidungen noch die Auswirkung auf Mitarbeiter und die Bürger seiner Stadt zumindest mit berücksichtigt. Denn in Kirche und Kneipe war er ja Teil dieser Gemeinschaft. In der globalen Welt gibt es derartige Hemmungen nicht mehr.

Offensichtlich reicht heutzutage die Macht einiger weniger Menschen aus, Staaten und Währungen in existenzielle Krisen zu stürzen. Dieser Effekt ist gewaltig. Dabei bedient man sich der global besten Spezialisten und Institutionen und nutzt alle juristischen und finanztechnischen Möglichkeiten, die der globale Spielplatz so bietet. Geld ist ja genug da. Die Gegenspieler, die Politiker und Behörden - und selbst die Medien - erscheinen mir (bei ihren Aufsichts- und Aufklärungsbemühungen) hoffnungslos unterlegen.

Resümee: Wir werden derzeit Zeuge einer dramatischen Veränderung der westlichen Welt aufgrund von Anonymisierung und Machtkonzentrationen. Die Kombination von Hemmungslosigkeit und Machtstreben erzeugt eine ungebremste Kettenreaktion an deren Ende eine Aufspaltung der globalen Gesellschaft in ´extrem reich´ und ´ganz arm´ steht. Und vielleicht noch etwas ´armer Mittelstand´.

   Herr Wulff hat sich als Ministerpräsident wohl missverständlich ausgedrückt. Und ich habe auch einige E-Mail-Anfragen bekommen.

Also: Ich habe keine depressive Phase und ich habe auch das gesellschaftspolitische Lager nicht gewechselt. Und ich habe mich auch nicht vom Leistungsgedanken verabschiedet. Ganz im Gegenteil!

Ich nehme ab und zu die wesentlichen Nachrichten mit in den Wald und ´bubbele´ darüber nach. (Die ganzen Neben- und Ablenkungsskandälchen lasse ich dabei zuhause.) Und diese zentralen Informationen und Nachrichten beunruhigen mich. Denn die dramatisch aufgehende Schere zwischen wenigen Reichen und vielen Armen wird katastrophale Folgen haben. Denn eine Massenarmut wird nicht nur den Lebensstandard der großen Mehrheit der Bürger drastisch absenken sondern auch den Antrieb und das individuelle Streben nach Erfolg. Resignation und Fatalismus sind gravierende Nebenwirkungen von Massenarmut!

In der amerikanischen Verfassung ist das Recht auf das ´Streben nach Glück/Erfolg´ festgeschrieben. Schön und gut. Aber wenn es keine erkennbare Stufenleiter zu persönlichem Erfolg und Fortschritt gibt, dann verkümmert jeglicher Antrieb zu eigener Leistung. Wenn es keinen breit gefächerten Mittelstand gibt, zu dem – und durch den - man sich hocharbeiten kann, arrangieren sich verarmte Menschen in ihren Ghettos.

Was kann man also tun. Mein Opa hätte gesagt: “Lebe nicht auf Pump!“ Und ich sage: “Das gilt für Personen und für Staaten.“ Denn wer Schulden macht trägt das Risiko, in eine ernsthafte Klemme zu geraten. Und wer große Schulden macht, verliert seine Souveränität. Bewahren Sie Ihre Unabhängigkeit, leben Sie nicht (dauerhaft) über Ihren Verhältnissen. Und wenn die maroden Staaten dies getan hätte, dann hätten wir den ganzen Schlamassel nicht.

Insgesamt empfehle ich: „Leben Sie unter Ihren Verhältnissen!“ . Man muss nicht den neueste Schicki-Micki haben, den man sich gerade noch leisten kann. Besitz und Prestige sind nicht alles. Entdecken Sie Ihre ´wahren Bedürfnisse´, investieren Sie in Ihre ´wahre Gesundheit´ und in ´wahre Freundschaften´.

Derzeit erhalte ich viele Anregungen –speziell aus der Mi´kmaq Kultur – zu einem Leben mit ´anderen Werten´. Mehr dazu demnächst auf dieser Seite.